Zwei ganz besondere Newcomer beim TSV Sportabzeichen

Sportabzeichen-Newcomer Helmut Hermann Zweigart (81) und Jutta Korb (73) Sportabzeichen-Newcomer Helmut Hermann Zweigart (81) und Jutta Korb (73) Genau 342 Sportler und Sportlerinnen waren es, die zuletzt beim TSV Gärtringen das Deutsche Sportabzeichen ablegten – und für eine neue Rekordzahl an Absolventen im größten Gärtringer Verein sorgten. Unter den vielen engagierten Olympioniken des Breitensports fielen zwei besonders auf: Die 73-jährige Gärtringerin Jutta Korb und der 81-jährige Deufringer Helmut Hermann Zweigart wagten sich erstmals an die Prüfungen – und dies mit Erfolg. Senioren-Power beim TSV ist angesagt.

„Mann bzw. Frau ist nie zu alt“, sagt Gisbert Faubel. Der Präsident des TSV Gärtringen ist stets mit Feuereifer bei der Sache, wenn es darum geht, neue Absolventen für das Sportabzeichen zu gewinnen. „Wir wollen irgendwann mal an erster Stelle im Kreis Böblingen stehen, mit der zuletzt erreichten Zahl sind wir bereits auf dem zweiten Platz angelangt“. Was auch an solchen Personen wie Jutta Korb und Helmut Zweigart liegt. Zwei doch schon etwas reifere Breitensportler, die im Frühsommer vergangenen Jahres primär dem Schwimmen als leidenschaftlichem Hobby nachgegangen sind – und sich nun ebenfalls zu den erfolgreichen Sportabzeichenabsolventen zählen dürfen.

Jutta Korb wohnt seit 1965 in Gärtringen und hat seit Jahren eine Dauerkarte für das schön gelegene, ortsansässige Freibad, im Sommer geht sie fast täglich dorthin. „Ich bin da halt bisher immer vor mich hingeschwommen“, meint die 73-jährige, „bis mich Ute mal gefragt hat, ob ich es nicht mit dem Sportabzeichen probieren wolle.“ Ute Muschkowitz ist die Gärtringer Bademeisterin, die in der Vergangenheit schon öfters den einen oder anderen Schwimmer dazu animierte, es einmal mit der Jedermann-Olympiade zu versuchen. „Das kriegst du hin“, sagte Ute Muschkowitz zu Jutta Korb. Gesagt, getan. Die Bademeisterin drückte auf die Stoppuhr und die 25 Meter waren problemlos in der notwendigen Zeit geschwommen. „Ich hab schon immer Sport gemacht, vor allem Seilspringen konnte ich früher super gut“, sagt Jutta Korb, die somit auch mit der zweiten erforderlichen Disziplin keine Probleme hatte. Danach wurde bei den Leichtathletik-Übungsstunden an der Theodor-Heuss-Halle noch der Medizinball geworfen und zum Abschluss ging es über die Walking-Runde im Wald. „Das war das Anstrengendste“, erinnert sich Jutta Korb, „da bin ich am Ende wahrhaftig auf dem Zahnfleisch dahergekommen.“ Doch der Ehrgeiz war inzwischen ungebrochen, auch wenn ein gewisser zeitlicher Druck beim letzten Abnahmetermin des Jahres durchaus vorhanden war. Jutta Korb gab sich kämpferisch: „Nachdem ich in zwei Disziplinen bereits auf Goldkurs war, wollte ich beim Walking alles versuchen, dass es für das goldene Sportabzeichen reichte.“ Nach den abgelegten Sportprüfungen freute sich die leidenschaftliche Bastlerin über das Erreichte. Und hatte nur lobende Worte für das Umfeld in Gärtringen übrig.  „Es war eine tolle Atmosphäre, alle verantwortlichen Personen bemühen sich und es bereitete großen Spaß, auch wenn man das nicht mal geschwind mit links gemacht hat. Die Teilnehmer haben sich auch gegenseitig motiviert. Nur schade, dass der langjährige Prüfer Helmut Hornikel bald aufhören möchte. Dabei fange ich doch gerade erst an“, sagt Jutta Korb mit einem leicht verschmitzten Lächeln. Jetzt im Winter geht Jutta Korb zumindest einmal pro Woche zum Schwimmen ins Hallenbad. „Das muss schon sein, um fit zu bleiben. Und wenn es geht, bin ich in diesem Sommer auf jeden Fall wieder dabei.“

„Wer rastet, der rostet“, lautet auch die Devise von Helmut Zweigart. Mit dem rüstigen Deufringer ins Gespräch zu kommen, ist nicht so einfach. „Ich weiß nicht, wo er sich gerade aufhält“, sagt seine Frau bei einem wiederholt missglückten Versuch, den Protagonisten ans Telefon zu bekommen. Der 81-jährige Helmut Zweigart ist viel unterwegs, sei es in sportlicher oder in ehrenamtlicher Mission. „Ich komme gerade vom Skilanglauf aus Agenbach“, meint Zweigart, als es dann doch irgendwann mit einem Gesprächstermin klappte. Und fortan sprudelt es aus dem Ur-Schwaben nur so heraus, eine Anekdote aus vergangenen Zeiten jagt die andere. Und nicht selten hat er die Lacher auf seiner Seite. „Zum Sportabzeichen bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kind“, sagt Zweigart, der sich im Gärtringer Freibad fast wie zu Hause fühlt. „Hier in Aidlingen gibt es halt kein Freibad und so bin ich im Nachbarort mit den beiden Sportabzeichenprüfern Helmut Hornikel und Helmut Schmidt ins Gespräch gekommen“, erinnert sich der sportlich aktive Allrounder, der jedoch keinen Hehl daraus macht, dass ihm der Erfolg nicht ganz so wichtig ist. Und dies mit einer plausiblen Erklärung auf den Punkt bringt: „Ich hab Gold in den Zähnen, Silber in den Haaren und zuweilen Blei in den Füßen, da reicht mir Bronze beim Sportabzeichen allemal.“

Schon früher war Helmut Zweigart keiner, der sich an vorderster Linie einordnete. „Mein Vater war ein Leistungssportler, was ich jetzt von mir nicht unbedingt behaupten möchte.“ Dennoch kann sich die Ansammlung an Urkunden bei Helmut Zweigart durchaus sehen lassen. So nahm er diverse Male am Hildrizhausener 25 km-Schönbuchlauf teil und auch bei Skirennen der Böblinger Ortsgruppe errang er vordere Platzierungen. Inzwischen – im betagteren Alter – steht der Spaß an erster Stelle. Und den hat er zweifelsohne. „Beim Schleuderball hat es irgendwie auch nicht so recht geklappt“, meint Zweigart, „da hab ich mehr hoch als weit geworfen. Nachdem ich dann bei ein paar anderen zugeschaut hatte, klappte es nach ein paar Versuchen auch mit der Mindestweite.“ Nachdem auch der Standweitsprung geschafft war, konnte er als wohl ältester Neueinsteiger im Gärtringer Sportabzeichen die Urkunde mit der Bronzenadel in Empfang nehmen. Auf die er dann doch ein bisschen stolz ist. „Der alte Dackel mit Verfallsdatum hat es dann doch noch geschafft“, sagt der frühere Maschinenbau-Techniker, der im (Un-)Ruhestand noch zahlreiche weitere Hobbies pflegt und Ehrenämtern nachgeht. Neben den drei Kindern und fünf Enkeln kümmert er sich viel um seine Gesundheit, nachdem er im März 2015 eine Herzklappen-Operation über sich ergehen lassen musste. „Ich lebe gesund und ernähre mich bewusst“, sagt der 81-jährige. Abgesehen von den sportlichen Aktivitäten ist Helmut Zweigart ein leidenschaftlicher Musiker („ich bin seit 63 Jahren Mitglied im Aidlinger Musikverein“), fotografiert gerne in der Natur und widmet sich viel der schwäbischen Mundart. Nunmehr hat er mit dem Sportabzeichen eine weitere, wenn auch kleine Leidenschaft für sich entdeckt. Und bei dem Spaß, den er im letzten Jahr mit dem Gärtringer Sportabzeichenteam hatte, spricht wohl nichts gegen eine erfolgreiche Wiederholung. Zweigart: „Vielleicht klappt’s dann ja mit dem silbernen Abzeichen“. Und plötzlich war dann doch der Ehrgeiz da.

Text: Thomas Holzapfel, Foto: Gisbert Faubel

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